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Der Background Check


Wir AckerSchwestern wollen euch die Chance geben sich schnell, effektiv und fundiert über die grundlegensten Fakten einen Überblick zu verschaffen.

Aber die Welt der Landwirtschaft ist komplex und wir wollen euch die Hintergünde nicht vorenthalten, deshalb haben wir den Background Check ins Leben gerufen !
Hier wollen wir mehr auf die Hintergründe der aktuellen Debatten eingehen, und Zusammenhänge aufzeigen.
Wie immer natürlich mit zahlreichen Quellen, Artikeln und wissenschaftlichen Studien belegt !

Nachhaltigkeit vs. heimische Erzeugung?

Sharepics vom März 2020 „Heimische Erzeugung vs. Nachhaltigkeit?“
16.03.2022



"Seit Jahren kämpfen die Bauern für unsere heimische Erzeugung & mahnen die hohe Versorgungsabhängigkeit durch Importe an. Bisher wurden alle Bedenken und Forderungen dazu ignoriert."



"Unsere Bauern sind auf Platz 1 für die nachhaltigste Landwirtschaft – weltweit!"

Es existieren mehrere Paper welche die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft bewerten, dabei gibt es auch ganz unterschiedliche Methoden, Datengrundlagen und zentrale Eckpunkte. Je nach Auswertungsform und Schwerpunkt können die Bewertungen natürlich unterschiedlich ausfallen. In allen Fällen führt Deutschland allerdings die Liste an. Daraus kann übergreifend der Schluss gezogen werden, dass sich die deutsche Landwirtschaft als sehr nachhaltig einstufen darf.

Hier findest du unsere Quelle.



"Und Sie können und wollen das Land versorgen!
Dennoch wird momentan Nachhaltigkeit gegen die Erzeugung aufgewogen."

Dabei ist dies kein realer Konflikt.
Die derzeitige Debatte dazu ist stark verzerrt, weil sie suggeriert, dass mit der Lebensmittelproduktion keine Nachhaltigkeit entstehen kann. Die nachhaltige Lebensmittelproduktion existiert bereits jetzt – sie muss nicht erst geschaffen werden.

Verfolgt man die Debatte im Detail wird klar, dass es sich hierbei eher um den Ausweitungsgrad der Nachhaltigkeit handelt. Es besteht der Wunsch in der Bevölkerung nach noch weniger (chemischen) Pflanzenschutz, Dünger und mehr Blumenwiesen – sozusagen nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme. Das sind Forderungen deren Konsequenzen die heimische Lebensmittelproduktion massiv einschränken.
Die zielführendere und ehrlichere Frage wäre,

Welche und wie viel Produktionseinschränkungen können und wollen wir uns für die Nachhaltigkeit leisten?


Das Problem mit dem Green Deal & Farm to Fork:
Wenn die geplante Nachhaltigkeit nicht nachhaltig ist

Derzeit stehen u.a. die EU Strategien „Green Deal“ und „Farm to Fork“ vor allem wegen diesen Punkten in der Kritik:

  • Reduzierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen um 10 %
  • Verringerung des Düngemitteleinsatzes um 20 %
  • Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmittel um 50 %
In Zeiten von Klimakrise, Hunger und dem wegfallen der Ukraine und Russland als Produktionsstandort und Exporteur müssen wir uns zuverlässig selbst versorgen können, aber nun auch für andere Sorge tragen.

Mehrere Studien haben sich mit den Konsequenzen des Green Deals und der Farm to Fork Strategie befasst und kamen zu dem Ergebnis, dass beide kontraproduktiv sind.

Es führe zu „keiner Klimawirkung“, schadet aber der Wirtschaft und der heimischen Lebensmittelproduktion.


Im folgendem haben wir einige Folgenabschätzungen für euch aufgelistet.


Folgenabschätzung: Farm to Fork



Folgenabschätzung: Green Deal



Trotz all dieser Studien, welche zum Teil schon 2020 veröffentlicht wurden, hält man an den Strategien weiterhin fest und möchte sie nicht anpassen.
Daran hat auch die Ukrainekrise nichts geändert:
Dabei stellt sich doch die Frage:

Wie sinnvoll ist es an einer Strategie festzuhalten, die ihr eigenes Ziel verfehlt? Eine Strategie, die den Hunger vorantreibt und das Leben von armen Menschen gefährdet?



Die Nachhaltigkeitsdebatte und der Realitätsbezug

Ein weiteres Problem in dieser Nachhaltigkeitsdebatte ist, dass oftmals die aktuelle Datenlage nicht einbezogen wird und die fachlichen Hintergründe fehlen.
Farm to Fork stellt die Anwendung von chemischen Pflanzenschutz als „vermeidbar“ und „schädlich“ da – dass er aber unsere Lebensmittelgrundlage sichert und wir ohne ihn hohe Ertagseinbußen hätten (welche andere Länder wiederum durch klimaschädliche Importe kompensieren müssen) fällt leider unter den Tisch. Dabei wäre gerade bei landwirtschaftlichen Themen der ganzheitliche Ansatz notwendig, wenn wir zielstrebig auf eine klimafreundliche Zukunft hinarbeiten möchten.
Betrachtet man die aktuelle Lage in der Praxis, wären so drastische Maßnahmen (einmal unabhängig von den Konsequenzen) nicht notwendig, denn:




Erträge sichern mit reduzierten chemischen Pflanzenschutz & Dünger?

Weniger Pflanzenschutz -> weniger Ertrag
Betrachtet man den aktuellen Trend, die aktuelle Lage in der Praxis und in der Forschung, ist es nicht notwendig und man kann durchaus sagen „überzogen“ pauschal 50% weniger chemischen Pflanzenschutz zu fordern. Es ist ein notwendiger Bestandteil des Ackerbaus und sichert Erträge. Gerade in Zeiten der Klimakrise wo Unwetter, erhöhter Schädlingsdruck und neue Schädlinge die Anfälligkeit der Pflanze erhöhen, sind wir mehr denn je darauf angewiesen.

Mehr Informationen zum Einsatzgebiet und zu den fachlichen Hintergründen rund um das Thema Pflanzenschutz findet ihr hier: Die Pflanzenschützer

Weniger Dünger -> Weniger Ertrag
Auch hier ist die pauschalierte Forderung der EU fragwürdig. Düngung ist die Grundlage eines jeden Ertrags. Ohne Nährstoffe kein Wachstum. Es ist im Sinne aller, dass die Düngung gut abgestimmt ist und kein Mangel oder Überschuss herrscht. Denn beides würde der Pflanze schaden.
Dünger ist somit kein Luxusprodukt – er ist essentiell. Aber er ist auch kein Wegwerfprodukt – denn zuviel führ zu einer Toxizität. Eine pauschale Aussage zur Düngeminderung, ohne Bezug auf die Kulturen, Bodenbeschaffenheiten, die Witterung oder Nährstoffwerte ist nicht zielführend und kann nur negative Folgen bezüglich Ertrag und Qualität haben.

Mehr fachlich fundierte Informationen rund um das Thema Düngung, Nährstoffe und Boden findet ihr hier beim Lernort Boden


Aus diesem einfachen Gründen, sind auch die zahlreichen Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Maßnahmen extreme Ertragseinbußen verursachen und wir vermehrt auf Lebensmittelimporte angewiesen sein werden. Es ist nicht möglich, durch andere Maßnahmen diesen hohen Verlust an heimischen Erzeugnissen zu kompensieren.



"Wie human ist es, armen Ländern ihre Lebenmittel weg zu kaufen?"


Wir sind innerhalb der EU sehr stark auf den Export von Russland und der Ukraine angewiesen.

Nun wo diese weg fallen, wird auf anderen Märkten eingekauft – und nur wenige Länder können mit einem zahlungskräftigen Deutschland in den Wettbewerb treten. Vor allem die ärmeren Länder werden das nachsehen haben, weil ihr Ertrag auf ihren Märkten in das zahlungswillige Europa exportiert wird.

„Vor allem in Nordafrika sind arme Menschen auf eine bezahlbare Versorgung mit Brot angewiesen. Trotz Subventionen wird dort heute schon ein Großteil des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben, Gleiches gilt für Länder in Westasien.“ [Handelsblatt]
Zur Verdeutlichung: wir in Deutschland liegen bei 12% des Einkommens für Lebensmittel und Getränke – man sieht deutlich wie viel Spielraum wir zur Verfügung haben [eurostat, 2020].

Derzeit wird es oft als unvermeidbar dargestellt, dass der globale Süden auf eine Hungerkrise zusteuert. Natürlich fehlen auch ihnen die Importe aus der Ukraine und Russland - aber die hohen Preise werden auch von uns provoziert. Weil wir im Ausland kaufen anstatt selbst zu produzieren und dadurch auch den ertragsschwächeren und ärmeren Länder indirekt und direkt schaden.



"Jeder stillgelegte Hektar bei uns verschlingt 1.5-4 Hektar in anderen Ländern."


Neben der Farm to Fork Bestrebung um mehr stillgelegte Produktionsflächen (10%), existieren auch nationale Ambitionen noch mehr Brachflächen zu schaffen. Der Grundgedanke dahinter ist nobel: Mehr Brache, mehr Natur, mehr Klimaschutz. Aber leider ist es, wie so oft, nicht so einfach.

Denn Boden ist nicht gleich Boden!


Wir in Europa können uns glücklich schätzen, denn wir besitzen wertvollen und sehr fruchtbaden Boden – er ist die Grundlage für hohe Erträge und eine gesicherte Lebensgrundlage.
Selbst innerhalb der EU, innerhalb jeden Landes gibt es extreme Unterschiede was den Boden betrifft. Nicht jede Fläche eignet sich für den Anbau jeder Furcht. Das muss individuell entschieden werden. Zum Faktor Boden (Humusgehalt, Bodenbestandteile…) gesellt sich noch die Witterung dazu: Wie sieht es mit der Niederschlagshäufigkeit aus? Wie kommt der Boden mit Staunässe aus? Wie mit Dürre oder Wind? All diese Faktoren sind Standortfaktoren und nur wenige Länder haben eine so privilegierte Ausgangslage wie Deutschland oder andere europäische Länder.

Kategorisierung von Böden: Bodengroßlandschaften Deutschlands
[Quelle: DBV Boden Situationsbericht]



Das sieht man auch deutlich im internationalen Vergleich. Wo wir in Deutschland 7,5 -7.8 t/ha an Weizen vom Feld fahren können, liegt der Durchschnitt in Algerien bei 1,57 t/ha. Das bedeutet, der Weizenanbau mit dem Zielertrag von 7,5t/ha würde in Algerien das 4.7 fache an Fläche benötigt (Quelle, Deutschland Ukraine, Russland).

Wenn wir unsere Produktion reduzieren, reduzieren wir ja nicht unseren Lebensmittelverbrauch.

Also müssen die Lebensmittel aus anderen Ländern importiert werden.
Die Folgen sind gravierend. Neben dem klimaschädlichen Transportweg, müssen diese Länder wesentlich mehr Fläche, Wasser, Diesel, Dünger und (u.a.) chemischen Pflanzenschutz einsetzen um die Erträge zu stabilisieren und zu erhöhen. Zudem wäre es natürlich sinnvoll und nahe liegend, wenn die produzierenden Länder ihre Erzeugnisse selbst verbrauchen – v.a. bei so geringen Erträgen. Wenn das Ausland allerdings horrende Summen bietet, wird natürlich exportiert. Und man selbst muss importieren – oder wenn man es sich nicht leisten kann – hungern.

Mehr zum Thema Boden, Bodenbestandteile, Bodentypen und Bodenzahlen findet ihr hier.